Die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) bildet die zentrale Schnittstelle zwischen Kundenanforderungen und der operativen Fertigung. Ziel der PPS ist es, die richtigen Produkte, in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit und in der geforderten Qualität bereitzustellen – bei optimalem Einsatz von Ressourcen.

Eine wirksame PPS sorgt dafür, dass Planung und Realität möglichst nah beieinanderliegen und Abweichungen frühzeitig erkannt und gesteuert werden.

Ziele der Produktionsplanung & -steuerung

  • Sicherstellung der Lieferfähigkeit
  • Optimale Nutzung von Maschinen, Personal und Material
  • Reduktion von Durchlaufzeiten und Beständen
  • Transparenz über Kapazitäten und Engpässe
  • Stabilisierung der Produktionsprozesse
  • Minimierung von Plan-Ist-Abweichungen

Kernaufgaben der PPS

1. Absatz- und Bedarfsplanung

  • Ableitung der Produktionsmengen aus Kundenabrufen, Forecasts und Aufträgen
  • Abgleich von Kundenbedarf mit vorhandenen Kapazitäten
  • Identifikation von Lastspitzen und saisonalen Schwankungen

2. Kapazitätsplanung

  • Bewertung der verfügbaren Kapazitäten (Maschinen, Personal, Schichten)
  • Berücksichtigung von:
    • Rüstzeiten
    • Wartungsfenstern
    • Qualifikationen der Mitarbeiter
  • Erkennen von Engpässen (Bottlenecks)

3. Produktionsprogramm- und Feinplanung

  • Festlegung der Produktionsreihenfolge
  • Optimierung der Reihenfolge hinsichtlich:
    • Rüstaufwand
    • Materialverfügbarkeit
    • Liefertermine
  • Ausbalancieren von Kundentakt und internen Zykluszeiten

4. Materialbedarfs- und Verfügbarkeitsprüfung

  • Sicherstellung der Materialverfügbarkeit zum richtigen Zeitpunkt
  • Abstimmung mit Einkauf und Logistik
  • Vermeidung von Fehlteilen und ungeplanten Stillständen

5. Produktionssteuerung

  • Freigabe von Fertigungsaufträgen
  • Überwachung des Produktionsfortschritts
  • Reaktion auf Störungen, Abweichungen und Prioritätsänderungen
  • Umplanung bei:
    • Maschinenausfällen
    • Qualitätsproblemen
    • Personalengpässen

6. Plan-Ist-Vergleich und Steuerungsmaßnahmen

  • Vergleich von geplanten und tatsächlichen Kennzahlen:
    • Output
    • Durchlaufzeit
    • OEE
    • Termintreue
  • Ableitung von Maßnahmen bei Abweichungen
  • Rückkopplung in die Planung (Regelkreis)

Typische Kennzahlen in der PPS

  • Termintreue (OTD)
  • Ausbringung / Planerfüllung
  • Durchlaufzeit
  • Bestände (WIP)
  • Kapazitätsauslastung
  • OEE (in enger Verbindung zur Produktion)

Schnittstellen der PPS

Eine funktionierende PPS lebt vom engen Informationsaustausch mit:

  • Operations Management
  • Produktion / Schichtführung
  • Qualität
  • Logistik
  • Instandhaltung
  • Einkauf

Insbesondere der zyklische Informationsaustausch ist entscheidend, um Planungsannahmen laufend mit der Realität abzugleichen.

PPS als Regelkreis

Die Produktionsplanung & -steuerung ist kein statischer Prozess, sondern ein Regelkreis:

Plan

  • Kundenbedarf
  • Kapazitäten
  • Produktionsprogramm

Do

  • Umsetzung in der Produktion

Check

  • Kennzahlen
  • Abweichungen
  • Engpässe

Act

  • Umplanung
  • Maßnahmen
  • Anpassung der Planung

Typische Herausforderungen in der Praxis

  • Unzureichende Datenqualität
  • Häufige kurzfristige Änderungen
  • Fehlende Transparenz über reale Kapazitäten
  • Zielkonflikte zwischen Planung, Produktion und Logistik
  • Überplanung ohne Berücksichtigung von Störungen

Fazit

Eine wirksame Produktionsplanung & -steuerung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Operations Management. Sie verbindet Kundenanforderungen mit der operativen Realität und sorgt für Stabilität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit im Produktionsbetrieb. Entscheidend ist dabei nicht die perfekte Planung, sondern die Fähigkeit, Abweichungen schnell zu erkennen und gezielt zu steuern.

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Checkliste Produktionsplanung & -steuerung (PPS)

1. Grundlagen & Rahmenbedingungen

  • ☐ Kundenbedarfe / Abrufe / Forecasts liegen aktuell vor
  • ☐ Produktionsprogramm definiert
  • ☐ Prioritäten (Kunde, Termin, Menge) festgelegt
  • ☐ Planungszeitraum definiert (Tag / Woche / Monat)
  • ☐ Klare Verantwortlichkeiten für Planung und Steuerung

2. Kapazitätsplanung

  • ☐ Verfügbare Maschinenkapazitäten bekannt
  • ☐ Personalkapazitäten berücksichtigt (Qualifikation, Schichten)
  • ☐ Rüstzeiten berücksichtigt
  • ☐ Geplante Wartungen / Stillstände berücksichtigt
  • ☐ Engpässe (Bottlenecks) identifiziert
  • ☐ Abgleich Kundentakt ↔ Zykluszeiten durchgeführt

3. Feinplanung & Reihenfolgeplanung

  • ☐ Produktionsreihenfolge festgelegt
  • ☐ Rüstoptimierung berücksichtigt
  • ☐ Materialverfügbarkeit geprüft
  • ☐ Logistische Randbedingungen berücksichtigt (Gebinde, FIFO, Fläche)
  • ☐ Sonderaufträge / Eilaufträge eingeplant

4. Materialverfügbarkeit & Logistik

  • ☐ Materialverfügbarkeit für geplanten Zeitraum sichergestellt
  • ☐ Fehlteile-Risiken identifiziert
  • ☐ Abstimmung mit Einkauf und Logistik erfolgt
  • ☐ Puffer- und Sicherheitsbestände definiert
  • ☐ Materialanstellung und Versorgung geklärt

5. Produktionssteuerung (Umsetzung)

  • ☐ Fertigungsaufträge freigegeben
  • ☐ Produktionsfortschritt überwacht
  • ☐ Abweichungen frühzeitig erkannt
  • ☐ Maßnahmen bei Störungen definiert
  • ☐ Prioritätsänderungen transparent kommuniziert

6. Plan-Ist-Vergleich & Kennzahlen

  • ☐ Plan-Ist-Vergleich durchgeführt
  • ☐ Termintreue (OTD) bewertet
  • ☐ Ausbringung / Planerfüllung überprüft
  • ☐ Durchlaufzeiten analysiert
  • ☐ Bestände (WIP) überwacht
  • ☐ OEE als Steuerungsgröße berücksichtigt

7. Kommunikation & Schnittstellen

  • ☐ Regelmäßiger Austausch mit Produktion
  • ☐ Abstimmung mit Operations Management
  • ☐ Information an Qualität bei Abweichungen
  • ☐ Instandhaltung über geplante Belastung informiert
  • ☐ Schichtübergreifender Informationsaustausch sichergestellt

8. Steuerungsmaßnahmen & Regelkreis

  • ☐ Ursachen für Abweichungen analysiert
  • ☐ Kurzfristige Steuerungsmaßnahmen eingeleitet
  • ☐ Mittelfristige Anpassungen der Planung vorgenommen
  • ☐ Erkenntnisse dokumentiert
  • ☐ Rückkopplung in zukünftige Planungen erfolgt

Typische Fragen zur Selbstprüfung

  • Entspricht der Plan der realen Leistungsfähigkeit der Produktion?
  • Sind Engpässe bekannt und aktiv gesteuert?
  • Werden Planabweichungen systematisch ausgewertet oder nur „repariert“?
  • Ist die Planung für die Produktion nachvollziehbar und transparent?

 

Eine wirksame Produktionsplanung & -steuerung entsteht nicht durch perfekte Pläne, sondern durch Transparenz, realistische Annahmen und einen funktionierenden Regelkreis zwischen Planung und Produktion.

 

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