RoHS einfach erklärt: Gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikprodukten vermeiden

Wer an nachhaltige Produkte denkt, hat oft die großen Themen wie Klimaschutz oder Recycling im Kopf. Doch gerade bei Elektro- und Elektronikgeräten spielt der Umgang mit gefährlichen Stoffen eine zentrale Rolle – und hier greift die RoHS-Richtlinie.

Im dritten Teil unserer Serie „EU-Produktrecht einfach erklärt“ erfahren Sie, warum RoHS so wichtig ist, welche Stoffe eingeschränkt werden, und welche Pflichten Unternehmen erfüllen müssen, um ihre Produkte auf dem europäischen Markt verkaufen zu dürfen.

1. Was ist RoHS?

RoHS steht für:

Restriction of Hazardous Substances

Die RoHS-Richtlinie ist eine EU-weite Regelung, die den Einsatz bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten beschränkt. Sie ist seit 2006 in Kraft und wurde seitdem mehrfach aktualisiert und erweitert.

Das Ziel von RoHS ist:

  • den Schutz von Mensch und Umwelt vor schädlichen Substanzen
  • die Förderung des Recyclings und der sicheren Entsorgung von Elektroschrott

2. Warum RoHS für Unternehmen wichtig ist

RoHS ist nicht nur eine Umweltschutzmaßnahme – sie ist auch eine Marktzugangsbedingung. Elektro- und Elektronikgeräte dürfen nur dann in der EU verkauft werden, wenn sie RoHS-konform sind.

Für Hersteller, Importeure und Händler bedeutet das:

  • Sie müssen nachweisen, dass ihre Produkte keine verbotenen oder eingeschränkten Stoffe enthalten
  • Sie sind verantwortlich für die Konformitätsbewertung und Dokumentation
  • Produkte ohne RoHS-Konformität können vom Markt genommen werden

3. Welche Stoffe regelt RoHS?

Die RoHS-Richtlinie beschränkt aktuell folgende sechs Stoffgruppen:

Stoff Häufige Verwendung Grenzwert (max. Konzentration in Masse)
Blei (Pb) Lötmittel, Glaskomponenten 0,1 %
Quecksilber (Hg) Schalter, Relais, Leuchtmittel 0,1 %
Cadmium (Cd) Batterien, Farbpigmente 0,01 %
Sechswertiges Chrom (Cr VI) Korrosionsschutz 0,1 %
Polybromierte Biphenyle (PBB) Flammschutzmittel 0,1 %
Polybromierte Diphenylether (PBDE) Flammschutzmittel 0,1 %

Diese Grenzwerte gelten für homogene Materialien im Produkt.

4. Abgrenzung RoHS vs. REACH

  • REACH regelt Chemikalien allgemein in allen Produkten – mit Schwerpunkt auf Registrierung und Risikobewertung.
  • RoHS ist spezialisiert auf Elektro- und Elektronikgeräte und verbietet oder beschränkt konkret gefährliche Stoffe.

RoHS ist also eine spezielle Ergänzung zu REACH mit einem klaren Fokus auf Elektroschrott und Recycling.

5. Wer ist betroffen?

RoHS gilt für alle Hersteller, Importeure und Händler von Elektro- und Elektronikgeräten (EEE), also zum Beispiel:

  • Haushaltsgeräte
  • IT- und Telekommunikationsgeräte
  • Beleuchtungsausrüstung
  • Unterhaltungselektronik
  • Werkzeuge (elektrisch oder batteriebetrieben)
  • Spielzeug und Sportgeräte mit Elektronik

6. Pflichten der Unternehmen

1. Konformitätsbewertung

Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Produkte RoHS-konform sind. Dazu gehört:

  • Überprüfung der Materialzusammensetzung
  • Dokumentation und technische Unterlagen (Technische Datei)
  • Erstellung einer EU-Konformitätserklärung

2. CE-Kennzeichnung

RoHS-konforme Produkte müssen die CE-Kennzeichnung tragen, die bestätigt, dass sie allen EU-Anforderungen entsprechen.

3. Lieferantenmanagement

Da Unternehmen oft nicht alle Materialien selbst herstellen, müssen sie ihre Lieferanten verpflichten, korrekte Stoffinformationen zu liefern.

7. Häufige Herausforderungen in der Praxis

  • Lieferantentransparenz: Unvollständige oder unklare Materialangaben von Zulieferern
  • Komplexe Produkte: Produkte mit vielen Komponenten und Materialien erschweren die Prüfung
  • Dokumentationsaufwand: Technische Dateien und Konformitätserklärungen erfordern systematisches Management
  • Produktänderungen: Jede Änderung kann neue Prüfungen erfordern

8. RoHS und Kreislaufwirtschaft

RoHS trägt zur Kreislaufwirtschaft bei, indem es:

  • gefährliche Stoffe im Elektroschrott minimiert
  • die Recyclingfähigkeit verbessert
  • den Umweltschutz entlang des Produktlebenszyklus stärkt

9. Fazit

RoHS ist ein zentrales EU-Produktrecht, das gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten beschränkt und den Marktzugang regelt. Unternehmen müssen ihre Produkte systematisch auf RoHS-Konformität prüfen, dokumentieren und ihre Lieferketten aktiv managen.

RoHS ergänzt andere Regelwerke wie REACH und bildet zusammen mit neuen Instrumenten wie ESPR und dem Digitalen Produktpass die Basis für nachhaltige, zukunftsfähige Produkte.

Ausblick auf Teil 4

👉 Verpackungsrecht einfach erklärt: Was Unternehmen jetzt und künftig beachten müssen

Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie Verpackungen reguliert werden, welche Pflichten auf Unternehmen zukommen und welche Neuerungen die EU plant.